Iran

Der Iran ist das erste Land was ich komplett allein und völlig unbedarft bereist habe. Schon der Anflug auf den Flughafen von Teheran löste bei mir ein mulmiges Gefühl aus. Die Unsicherheit wie die Menschen mit Andersgläubigen umgehen, das harte Gesetzt der Scharia welches gerne mal entsprechend ausgelegt wird und ob der blöde Zirkus mit dem Visa Arrival Antrag wirklich geklappt hat, fühlten sich beim Touch Down auf dem Imam Khomeini Airport gerade sehr nah und real an.

Yeah, i got the Visa!!!!

 

Die Visaprozedur stellte sich als einfacher und unkomplizierter heraus als ich gedacht habe. Die Gebühren errechnen sich je nach Herkunftsland und damit ist das Visum für einen Deutschen mal eben schlappe 75 Euro Wert :-)

Den Onlineantrag kann man sich klemmen und ein Foto brauchte ich auch nicht. Also ab ins Taxi und ins vorgebuchte Hostel. Die Webseite http://hostelsiniran.com/ bietet eine gute Auswahl von Unterkünften im Iran. Von 10-50 Dollar pro Nacht ist alles dabei. Zudem kann man hier per Paypal oder Kreditkarte zahlen.

Notiz am Rande: Paypal ist im Iran gesperrt und ausländische Kreditkarten werden aufgrund der noch vorhandenen Wirtschaftssanktionen nicht akzeptiert. Also genügend Bargeld mitnehmen!!!

Teheran

Teheran ist im Grunde eine völlig normale Großstadt mit ca. 13 Mio Einwohner und ihren Stärken und Schwächen. Ist die Lage der Unterkunft gut, sind die wesentlichen Touriziele fußläufig. Die meisten Unterkünfte liegen rund um den großen Basar. Von hier aus kann man die Stadt per Taxi oder zu Fuß erkunden. Ich kann jedem, der gerne zu Fuß unterwegs ist, die App "Here Maps" empfehlen. Man kann sich den kompletten Iran runterladen und dann easy mit einem GPS-fähigem Handy die Städte zu Fuß erkunden.

Fazit nach 2 Tagen: Land gut, Essen gut, Leute top. Aufgrund der allgemeinen Meinung in der Welt hat das Land scheinbar ein Problem mit seiner Außenpolitik. Ich habe selten so ein tolles, offenes und ehrliches Volk erlebt.

Isfahan

Isfahan oder Esfahan gesprochen ist die halbe Welt sagte mal ein Freund. Ich kann nur zustimmen. Die Architektur, das Essen, das Handwerk und die Menschen sind der Wahnsinn. Ich bin hin und weg von dieser Stadt.

Nach Isfahan kommt man bequem per Bus oder Flugzeug. Da ich nicht so gerne fliege wähle ich gerne den Bus :-). Man erhält zudem eine gute Möglichkeit mit Einheimischen in Kontakt zu kommen.

Hier hatte ich auch die erste Begegnung mit iranischen Frauen.

Im Bus hinter mir saß eine junge Frau in einem Tschador (komplette Verschleierung in schwarz, nur Gesicht frei) und machte schon seit einiger Zeit eindeutige Geräusche um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Wer diese "psst, psst, psst" Geräusche kennt, reagiert entsprechend.

Bevor ich mich jedoch umdrehte, checkte ich den Bus erst einmal nach Männern mit Macheten oder Steinen in der Hand die nur darauf warteten, dass ich mich umdrehe. :-)

Ich bin ganz ehrlich, diesen Ruf hat dieses Land leider bei mehr als 90% der Deutschen, und ich Idiot drehe mich auch noch um. :-)

Was dann folgte, hat mein Weltbild zerrüttet.

In einem perfekten Englisch fragte sie mich, woher ich komme und was im Iran ich bereisen möchte.

Keine Steine oder irgendwelche komischen Blicke wurden auf sie oder mich gerichtet und ich hatte eine sehr informative Unterhaltung mit einer vollverschleierten Frau aus dem Iran.

Kurz und knapp, ich habe die Busfahrt überlebt :-)

 

Neben den architektonischen und handwerklichen Highlights hat diese Stadt gerade im Bezug auf die Menschen sehr viel zu bieten. Sobald man sich irgendwo hinsetzt, kommt auch ganz bestimmt nach deutscher Pünktlichkeit schon nach 5 Minuten irgendjemand der einen Löcher in den Bauch fragt :-)

Aber immer höflich, zuvorkommend und in einem sehr guten Englisch.

 

Meine Mutter hatte mir einen Wunsch mitgegeben (neben dem, dass ich heil und lebend wieder zurückkommen soll :-)) Sie wünschte sich Safran. Der Iran hat den Ruf, den weltbesten Safran zu liefern und somit versuchte ich mich im Gewürzhandel in Esfahan. 

Nach ein bisschen suchen bin ich auch fündig geworden und betrat, nach einem obligatorischen "welcome to Iran" durch den Besitzer, den Laden meiner Wahl.

Nur schon allein die Geschichte, dass ich meiner Mutter ein Geschenk machen wolle, macht einen hier schon fast zu einem Freund.

Der Safran ist keine Nebensache geworden aber ich wurde auch nach mehrmaligem dankbaren Ablehnen dazu gezwungen, das halbe Geschäft zu probieren und Fotos meiner Familie zu zeigen die ich auf meinem Handy hatte :-)

Gut eine Stunde später verließ ich den Laden mit meinem Safran und  einem Glücksmoment mehr in meinem Leben :-)

 

DAS ist der Iran!

 

Ich hatte noch zwei weitere Ziele auf dieser Reise die sich aber so nur in Teheran umsetzen ließen.

Zum einen wollte ich endlich Hadi Mohseni kennenlernen. Er ist Fotograf und der eigentliche Grund warum ich in den Iran gekommen war. Seine Fotos haben es mir angetan. Junger Bursche und afghanischer Flüchtling mit bewegter Vergangenheit und zum anderen hat mir mein Onkel während meiner Reise von einem Buch "Couchsurfing im Iran" erzählt. Ich hab mich kurzerhand dort angemeldet und auch direkt ein Treffen mit Behnaz ausgemacht. Couchsurfing scheint für Iraner eine der wenigen Möglichkeiten zu sein, Kontakt mit Ausländern zu bekommen. Neben Behnaz habe ich auch andere liebe Leute dort kennengelernt. Zum Beispiel eine iranische Deutschlehrerin die Ihre Hilfe angeboten hat, wenn ich mal Fragen habe was ich gerne angenommen habe :-)

Back to Teheran

Bei meinem ersten Besuch in Teheran habe ich die Stadt als ein riesiges Moloch bestehend aus Straßenzügen, Betonbauten und Verkehrschaos erlebt. Durch das Treffen mit Behnaz durfte ich auch andere Ecken von Teheran sehen.

Im Norden gibt es zum Beispiel den Stadtteil Darband. Er liegt schon fast mitten in den Bergen und bietet eine wahnsinns Kulisse mit vielen Möglichkeiten zum Essen oder einfach nur zum relaxen.

Ich kann jedem empfehlen der in den Iran reist sich jemanden zu suchen der einen die schönen Ecken in Teheran zeigt. Es lohnt sich wirklich.

 

Am letzten Abend habe ich es dann tatsächlich geschafft endlich Hadi kennenzulernen. Der ein oder andere Versuch ist leider vorher gescheitert.

Nun hatten wir uns zum Abendessen verabredet und trafen uns an der zentralen Metrostation. Vor hier aus war einer meiner Lieblings-Streetfood Läden nicht weit und wir hatten endlich Zeit, auch wenn nur kurz, uns auszutauschen.

 

Auch wenn der Bericht kurz und knapp gehalten ist und längst nicht alle Impressionen widerspiegelt, möchte ich jedem nahelegen den Iran als Reiseziel unbedingt mit in die Top5 Liste aufzunehmen.

 

 

Sonstige Bilder

Etwas Literatur gefällig? Wer seine individuelle Reise plant ist mit diesen Reiseführern gut bedient. Es steht euch ebenfalls frei einfach einen Flug zu buchen.. ist auf jeden Fall eine Erfahrung wert :-)