Goldfieber in Preah Meas

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Wastepicker von Choeung Ek

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Sak Yant - magische Yantras

Auf den Reisen durch Süd Ost Asien findet man vor allem in Thailand, Laos und Kambodscha die sogenannten Sak Yants. Hierbei handelt es sich um Schutz Tattoos, sogenannte Yantras die dem Träger je nach Motiv vor den physischen und magischen Schäden auf der Erde schützen sollen.

Gestochen werden sie mit einem Bambus oder einem Metallstab. Die Tinte besteht aus dicker chinesischer Tinte und, wer den Worten glauben mag, aus Asche eines verstorbenen Mönches oder Gallenflüssigkeit eines Feindes.

Die Yantras bestehen meist aus Motiven und/oder einem Schriftmix der alten Khmer Sprache und der buddhistischen Pali Schrift die zusammen oft eine Art geometrische Figur ergeben.

Meine Faszination über diese Yantras habe ich zum Anlass genommen um hier einmal drüber zu schreiben.

 

Neben Wiki und anderen Quellen die bedeutend mehr Informationen hergeben als ich hier jemals aufschreiben könnte, möchte ich an dieser Stelle nur ein paar Erfahrungen einbringen.

 

Suer Koo Yant
Suer Koo Yant

Das Tiger Yant Tattoo Suer Koo verleiht dem Träger, durch die Symbole der Tiger, Furchtlosigkeit, Kraft und Stärke. Dieses Motiv wird vorwiegend Muay Thai Kämpfer tätowiert, um furchtlos und gestärkt in den Kampf ziehen zu können.

Paed Tidt Yant
Paed Tidt Yant

Die Spitzen vom Paed Tidt Tattoo symbolisieren die 8 Richtungen in unserem Universums.
Es ist ein Schutz Tattoo, was auf Reisen schützen soll. So gibt es für jede Himmelsrichtung, in die man reisen möchte, ein spezielles Kata, was die Kräfte des Tattoos aktiviert.

Gao Yord Yant
Gao Yord Yant

Das Gao Yord Tattoo beschützt den Träger vor bösen Geistern und bringt ihm Glück im Leben. Das Design verkörpert die 9 heiligen Gipfel des Berges Meru und beinhaltet ebenso wichtige Buddha Symbole. Es gibt verschiedene Ausführungen, alle haben aber als Bestandteile die 9 Gipfel.

Hanuman Tua Ha Yant
Hanuman Tua Ha Yant

Das Hanuman Tua Ha Tattoo verleiht Mut, Tapferkeit, Kraft und Ausdauer und ist deswegen ebenfalls sehr beliebt bei Muay Thai Kämpfern.

 

Hah Taew Yant
Hah Taew Yant

Das Hah Taew Tattoo ist vermutlich dank Angelina Jolie das bekannteste Yantra von allen. Es verleiht dem Träger Schutz vor bösen Geistern, sowie Glück und Erfolg.

3..2..1.. Meins

Eigentlich wollte ich nie ein Tattoo. Nicht weil ich Tattoos nicht mag, sondern die Motive die man sich für immer unter die Haut stechen lässt sollten ein Zusammenhang zur eigenen Persönlichkeit haben.

Ich tingele nun schon seit gut 6 Jahren immer wieder durch Süd Ost Asien und durchstreife hierbei vor allem gerne das Hinterland. Abseits von den Touristenecken und Strandresorts bekommt man somit auch direkten Kontakt mit der Kultur, den Menschen und der Religion.

Die Yantras sind gerade bei Einheimischen sehr beliebt und der Glaube an die Kraft stark. Die typische Form der Palischrift mit den Serifen haben durchaus ihren Charme und versprühen eine gewisse Magie. 

Mit voller Begeisterung stand irgendwann der Entschluss fest mir auch so ein Tattoo machen zu lassen.

Die Frage war nur wo und wann.

In jedem Tattoostudio kann man sich Yantras stechen lassen. Sie werden dort aber mit der Maschine ab einem Preis von 100,00 € gestochen.

Klingt eher nicht so spannend und vor allem nicht nach der Magie die man sich vorstellt. Ich hatte das Thema erst einmal wieder auf Eis gelegt und wollte den richtigen Moment einfach kommen lassen.

 

Dieser kam dann völlig unerwartet in einer Bar zusammen mit meiner Familie in Nong Khai nahe der Grenze zu Laos. Wir hatten hier nette Menschen kennengelernt die uns eingeladen haben gemeinsam einheimische Gerichte zu kochen. Einer der Anwesenden war an den Armen und am Rücken voll mit Yantras und so flammte mein Fable wieder auf. Ich berichtete von meinen bisherigen Erfahrungen und den Preisen in Tattoo Studios und bekam als Antwort zurück dass kein Thai sich Yantras in einem Tattoo Studio stechen lässt. Ein wenig außerhalb von Nong Khai gibt es einen kleinen Tempel mit einem Mönch der Yantras sticht und wenn ich möchte würden sie mit uns dahin fahren. Da am gleichen Abend unser Nachtzug nach Bangkok fuhr hieß es "jetzt oder nie". Die Umgebung, die Art und die Menschen die um einen herum sind... alles passte.

Also sind wir alle zusammen ca. 30 km außerhalb von Nong Khai zu einem wirklich kleinen Tempel gefahren.

Ich hatte das leuchten in den Augen, kein Fake, ein echter Mönch und die klassische Vorgehensweise.

Man überreicht ein paar Blumen, eine Schachtel Zigaretten sowie 350 Baht (ca. 7,00 €) als Opfergabe.

Diese Gaben werden nicht pro Tattoo entrichtet, sondern sind einmalig für die gesamte Session. Man kann sich theoretisch mit dieser Spende den gesamten Körper vollstechen lassen.

 

 

Man sagt, dass die Schmerzen beim Stechen für all die Sünden stehen die man begangen hat. So ein schlechter Mensch kann ich gar nicht sein wie weh das getan hat :-)

Im Anschluss fand nun eine Art heilige Aktivierung des Tattoos statt in dem Mantras gesprochen wurden und der Mönch auf das noch wunde Tattoo mit den Handflächen schlug und danach mit einer heiligen Tinktur besprühte.

 

Wat Bang Phra

Wat Bang Phra ist eine Tempelanlage ca. 55 km entfernt von Bangkok. Hier findet man die Meister der magischen Tattoos und viele Pilger die sich erhoffen durch die Tattoos Glück und Stärke zu erlangen. In fast allen Räumen in den Pagoden sieht man wartende Menschen und tätowierende Mönche.

 

Auch hier entsprechen die Spenden denen in dem Kloster in Nong Khai

 

Einmal im Jahr findet hier das berühmte Wai Khru Festival statt. Zwar bedeutet Wai Khru - Respekt für den Lehrer, meint hier aber eine Zeremonie bei der die Kraft der Yantras  aufgefrischt wird. Jedes Jahr im Frühjahr treffen deswegen tausende Pilger und Yantraverehrer in Wat Bang Phra ein, um die Magie der Tattoos aufzufrischen oder neue Yantras zu erhalten.


Bücher über Sak Yant


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Flugangst und die Lösung

Das dumme am Reisen ist, dass man immer irgendwie zum Ort des Geschehens kommen muss und ich leider immer ein wenig Angst vorm Fliegen habe. 

Die Magennervosität beginnt gut 2 Wochen vorm Abflug und macht einen auf Dauer echt fertig.

Also sollte ein Ziel sein für später ein reisetaugliches Gefährt zu haben mit dem man zur Not auch weite Strecken bequem überbrücken kann.

Da für dieses Jahr noch ein 14 Tage Trip nach Spanien ansteht, wurde der Invest kurzerhand getätigt.

Nun ist er da:

Ford Transit Turneo

Baujahr 2009

80000 km gelaufen

Diesel (Euro 4)

Baustellen Fahrzeug

 

 

Ziel: Umbau als Camper für 2-3 Personen


Reinigung

Der Bus war im Einsatz für eine Kernbohrfirma und dementsprechend sahen die alten OSB Platten mit denen der Bus von innen beplankt waren auch aus. Unter den Platten kamen dann zudem die Jahre der Benutzung zum Vorschein und es musste erst einmal eine Grundreinigung her.


Nachdem alles Alte raus war, musste der Innenausbau wieder hergestellt werden. Hierfür habe ich ebenfalls OSB Platten verwendet die später dann mit schwarzem Filz beklebt wurden. Der Boden wurde in 4 Schichten mit Bootslack versiegelt und die Kanten mit Riffelblech Profilen verstärkt.

Der Dachträger

Zu einem guten Campingbus gehört auch ein ordentlicher Dachträger :-)

Man weiß ja nie was man unterwegs so findet und ärgert sich dann nicht genug Platz zu haben. Nach ein wenig Recherche habe ich auch das passende Gestell gefunden. Die Firma Malco bietet für alle Arten von Transporter Schwerlastträger an. Das Angebot direkt vom Hersteller passte nicht in mein Budget also musste ich bei Ebay Kleinanzeigen einen passenden suchen.

In Deutschland tobte gerade das schwere Unwetter und auf dem Weg zum Dachträger musste ich mitten durch nach Kevelar. Was tut man nicht alles für ein bisschen mehr Freiheit:-)

 

Dachträger im Regen montiert und ab nach Hause damit. Die orangene Beklebung kam runter und wurde gegen ein sattes Schwarz als Grundlage für Aufkleber getauscht. Da bin ich dann doch ein Spielkind :-)

Innenausbau und Einrichtung

Nachdem alles soweit verkleidet war, musste die Platte für das Bett eingebaut werden. Diese ist in ca. 45 cm Höhe auf einen Rahmen geschraubt der mit den Radkästen verbunden ist. Unter dem Bett gewinnt man so ausreichend Stauraum für Kisten und sonstigen Kram. Die Bettfläche ist 140 cm * 200 cm und an den Eckpunkten des Rahmens sind Stützen geschraubt. Die gesamte Liegefläche ist zusätzlich mit Filz bezogen. Der Rahmen wurde so verbaut, dass man ihn problemlos wieder herausnehmen kann.

An den Seitenwänden habe ich Staufächer angebracht um Platz für Kleinkram zu bekommen der sonst bei der Fahrt nur im Auto herumfliegen würde.

Für die Stromversorgung der Kühlbox, Handys und Fotosachen habe ich jeweils hinten und vorne in der Wand USB Steckdosen und Batterieladeanzeiger eingebaut. Die Steckdosen sind an eine zweite Batterie angeklemmt die vorne unterm Beifahrersitz Platz gefunden hat. Ein Batterieladeregler regelt den Stromfluß zwischen Starterbatterie und der 2. Batterie. Zusätzlich sind alle Steckdosen mit Sicherungen abgesichert.

An der Heckseite des Fahrzeugs ist am Bettrahmen ein Klapptisch aus einer Siebdruckplatte über die volle Breite angebracht der mit Ketten an der Wand befestigt ist. Da man aus anderen Ländern einige Mitbringsel hat, hängt nun unter dem Himmel vom Fahrzeug ein fettes Hippietuch aus Indien was ich mit Stabmagneten an der Decke befestigt habe.

Fertig!

Weitere Bilder von der ersten Reise folgen sicherlich :-)

Wer gerne mehr über die Umbauaktion oder die Elektroverkabelung wissen möchte kann mir gerne eine Nachricht schreiben.


Einkäufe Drumherum

USB Steckdosen zum Laden für Handy, Kamera und Kühlbox

Sicherungskasten für  Verbraucher an der Zweitbatterie

Zweitbatterielader

Aktive 45 Literkühlbox für 12 Volt und 230 Volt. Sehr angenehme Größe mit viel Stauraum.

Einfache LED Campinglampe. Sie kann weiß und rot leuchten :-)

Stabmagnete zum befestigen von Tüchern an der Karosserie

Staufächer für die Seitenwände

4mm Filz zum Verkleiden der Wände und der Liegefläche.

Zweitbatterie mit 800 A

Windabweiser für die Seitenfenster. So kann man auch mal bei Regen einen Spalt auflassen.

Flexible Wäscheleinen für unterwegs

Faltbares Waschbecken. Praktisch!



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Ausflug nach Prypijat

Vorwort

Am 26.04.1986 ist Prypjat eine Stadt voller Leben und in Vorfreude auf den 1. Mai Feiertag. In Prypjat wohnen zu der Zeit ca. 50.000 Menschen wovon allein ca. 15.000 Kinder sind. Die Stadt ist zu der Zeit eine der jüngsten Vorzeigestädte der Sowjetunion. Das Kernkraftwerk W.I. Lenin war neben den angenehmen Dingen die die Stadt noch zu bieten hatte einer der Hauptgründe warum sich gerade junge Familien mit ihren Kindern hier niederließen. Am 26.04.1986 sollte ein simulierter Stromausfall im Testverfahren sicherstellen, dass der Reaktor 4 sich selbstständig abschaltet. Gegen 01:30 explodierte Reaktor 4 auf Grund eines unkontrollierten Leistungsanstiegs und führte zu einer der schwersten  atomaren Katastrophen. Direkt betroffen davon war Prypjat. Die Stadt liegt ca. 3 km direkt neben dem Werk. Durch die entsprechende Windrichtung zog diese radioaktive Wolke sofort über die Stadt. Leider wurde die Stadt erst über 1 Tag später evakuiert und die Bevölkerung bis dahin im Dunkeln gelassen. Die Zeit von nur ein wenig mehr wie einem Tag reichte aus, um schwerwiegende gesundheitliche Spätfolgen für die Bevölkerung hervorzurufen.
28 Jahre später, kann man die Region um Prypjat und dem Atomkraftwerk, unter bestimmten Auflagen, besuchen. Der aktuelle Strahlungswert liegt in der Stadt um ein 5 Faches höher im Vergleich zu einer normalen Großstadt. Neben der allgemeinen Strahlenbelastung gibt es aber immer noch so genannte Hotspots die mit mehr als dem 100 fachen Wert langfristig ihr Umfeld schädigen. Prypjat ist heute eine Geisterstadt die von der Natur zurückerobert wurde. Wildschweine, Wölfe und wilde Pferde leben auf den Gebiet  auf dem sich zwischen den Gebäuden neue Wälder gewachsen sind.


Genug der Fakten.

Anreise

Im Flugzeug neben mir saß ein junger Mann aus Karlsruhe. Er ist gebürtiger Ukrainer und in Kiew geboren. Jedes Jahr fliegt er zu seinen Großeltern und macht ein paar Wochen Urlaub bei ihnen. Dass wir beide Flugangst hatten merkten wir sofort. Er rieb sich ständig die schweißnassen Hände an seiner Hose ab und ich krallte mich, wie immer, an meinen Armlehnen fest. Es ist schon witzig, wenn man erwachsenen Männern dabei zusieht mit welchen Methoden sie sich ihrer Angst stellen. Aber unsere gemeinsame Schwäche hat zumindest dazu geführt, dass wir uns miteinander unterhalten haben. Er erzählte mir die Story von seiner Herkunft und seinen Großeltern und ich erzählte von unserem Ziel „Prypjat“. Ukrainer haben eine empfindliche Stelle, sowie Siegfried auf Grunde des Lindenblatts eine nach dem Bad im Drachenblut hatte. Diese Stelle heißt „Prypjat“ und äußert sich in nicht klar einzuordnenden Gesichtszügen. „keiner geht dahin“, „was will man da?“, „hör auf weiter zu erzählen“ oder auch „zeig bitte keine Bilder mehr“ waren nur ein paar Reaktionen, die ich bei einigen Gesprächen mit Leuten, die man unterwegs so trifft, erhielt.

Mein Gesprächspartner im Flugzeug erzählte mir von Tagen an denen er mit seiner Familie zum Angeln an den  Stausee von Prypijat gefahren ist. „Es war eine wunderschöne Gegend“ sagte er.
Durch das Gespräch war die Flugangst zum Glück nebensächlich geworden.
Nach der Landung in Kiew ging wieder jeder seinen Weg.

Nach einer, trotz genauem Einlesen, teuren Taxifahrt zum Hostel (20€ statt 8€) kamen wir endlich in Kiew an. Wer ist „wir“ fragt ihr euch jetzt?


„Wir“ waren zu dritt. Einer kam aus München und „wir“ aus Dortmund.

„Wir“ wollten eine Foto-Tour nach Prypjat respektive Tschernobyl unternehmen. Wir hatten uns ein Hostel vorab gebucht und dann diesen Ort als gemeinsamen Treffpunkt ausgemacht. Shared Rooms sind auf Grund der Kameraausrüstung nicht immer mein Fall, aber in der jetzigen Situation konnten wir gut zu dritt ein Vierbettzimmer belegen. Somit durften „wir“ das Zimmer abschließen. Mit ca. 15,00 € pro Nacht direkt am Independence Square ist das durchaus eine feine Sache.

Da wir nun komplett und bereits ein wenig aufgeregt waren, was uns denn in Prypjat erwarten würde, sollte eine Runde „local Beer“ her.

Ich kann es mir nicht anders erklären, aber sobald ich eine rauchfreie Zone verlasse hat mein Körper das Gefühl sich eine Zigarette anzünden zu müssen. Meinem Körper folgend zündete ich, nachdem wir einen sehr skurrilen Fahrstuhl bezwungen haben uns nach unten zu befördern, schematische meine Zigarette an und ca. 10 Meter weiter, also kaum das wir das Gebäude verlassen hatten, hörten wir leise, aber bestimmt die Worte: „Stop, Police“. „Hmmm“ denkt man sich dann erstmal. Das Internet hat einen ja schlau gemacht und mit dieser Waffe namens „Google“ ausgerüstet betritt man nun die Straßen der Ukraine, aber dummerweise ohne Pass, den genau diese treuen Gesetzeshelfer nun kontrollieren wollten. Leider hatten zwei von dreien diesen eben nicht mit sich geführt. Nach kurzer Ansage, wie viel diese „Straftat“ kosten sollte fiel den werten Herren auf, dass meine Zigarette auf dem Independence Square zu einer weiteren Straftat führte.

Korrupte Polizisten kenne ich mittlerweile aus vielen Ländern und Onkel Google hatte mich auch in der Ukraine davor gewarnt. Mit den beiden hätte man auch ein Video drehen können, denn sie erfüllten jegliche Klischees und somit eine perfekte Rolle aus. Ein bisschen angenervt, weil das „local Beer“ plötzlich weit entfernt schien, die Summe aller Straftaten auf Schlappe 110,00 € gestiegen war und die beiden Ihre Rolle wirklich gut spielten, musste dann endlich eine Lösung her. Wir entschieden uns erst für die „Tourist Police“ oder „Embassy“ Nummer allerdings zeigte diese keine Wirkung. Da nur einer von uns seinen Pass dabei hatte und wir auch noch die „non smoking-zone“ verletzt hatte und wir uns weigerten zu zahlen, wollten die guten Herren uns nun mit auf die Wache nehmen. Durch ein wenig zureden durfte einer von uns die noch fehlenden Pässe aus dem Hostel holen. Die Idee, die Rezeptionsdame mitzubringen stellte sich als sehr gut heraus. Sie regelte innerhalb kurzer Zeit die Sache. „Schwein gehabt“

Zurück zum Vorhaben „local beer“

Ich liebe die Gesichter von Einheimischen, wenn man Heineken verschmäht und lieber „local Beer“ bestellt. In der Ukraine ist das mit der englischen Sprache so eine Sache, aber nach kurzen Erklärungen untermalt mit viel Gestik und meinem russischen Halbwissen aus der Schule bekamen wir endlich unser Bier, komischerweise in einer 24/7 Sushibar.

3 Bier später lagen wir fertig, von dem ersten Tag im Bett auf der Suche nach Schlaf für unseren morgigen Trip zum Platz 1 der gefährlichsten Orte der Welt.

 

Ab in die Zone

Der Wecker schellte gegen 07:00 Uhr. Unser Fahrer und der Führer erwarteten uns gegen 08:00 Uhr vor dem Hostel. Von hier aus sollte unsere Tour beginnen.

Nachdem jeder einmal durch das sehr kleine Badezimmer gehuscht ist und wir unsere Sachen zusammen gepackt hatten ging es auch schon los. Auf dem Maidan wie der Independence Square auch heisst herrschte schon reges treiben um diese Uhrzeit. Wir besorgten uns zum Frühstück und für die Fahrt jeder noch etwas zu Essen. Hier gibt es allerhand leckeres Zeug am Rand des Platzes. Neben den Klassikern wie McDonalds oder der SushiBar von gestern Abend stehen aber auch vereinzelt Frauen oder Männer in Buden oder einfach nur mit einem Holzkarren da und verkaufen, neben Kaffee und Tee, Teigtaschen mit Hackfleisch oder andere Snacks.

Nachdem kurzen Einkauf der Wegzehrung machten wir uns auf zum vereinbarten Treffpunkt. Es dauerte nur kurze Zeit und wie versprochen waren die beiden da und packten uns ein. Nach kurzer Vorstellungsrunde ergab sich für uns die Möglichkeit Geigerzähler zu leihen welche wir auch sofort ergriffen.

Das Auto setzte sich in Bewegung und fuhr aus der Stadtmitte direkt in Richtung Norden vorbei an alten Industrieruinen und prunkvollen Gebäuden die an eine Zeit erinnerten die wohl besser gewesen sein muss als die gegenwärtige. Der Wechsel von Großstadt zur Landidylle ging schnell und so fuhren wir die guten 120 km vorbei an großen Steppen, endlosen Wäldern, Flüssen, Seen und kleinen Dörfern. Ich erinnerte mich an die Worte meines Sitznachbarn. Man kann nur erahnen wie es hier im Sommer aussieht wenn nur schon allein der Herbst mit dem trüben Wetter die Landschaft schön wirken lässt.

Unser Führer erklärte uns, dass wir 30 km vor Tschernobyl auf eine Grenze treffen die das Sperrgebiet umgibt und wir unsere Papiere bereithalten sollen. Die notwendigen Papiere erhält man relativ einfach durch den Führer der auch die Anmeldung für einen übernimmt. Die Grenze, oder eher die Absperrung, war so wie man es sich vorstellt. Polizei, eine Baracke und ein Schlagbaum. Um durch die Grenze zu gelangen muss man das Auto verlassen und zur Anmeldung bis zur Baracke laufen. Hier muss man nun seine Papiere zeigen, sich grimmig angucken lassen und kann dann passieren. Es sollten noch zwei weitere Posten kommen jeweils im Abstand von 10 km bis an Prypjat heran.

 

Seit dem Start der Fahrt aus Kiew betrachte ich ab und an meinen Geigerzähler der immer wieder vor sich hin krächzt. Bis hierhin ist keine hohe Strahlung zu erkennen. Großstädte wie Kiew haben eine permanente Strahlung in der Luft von ca. 0,15 Mycro Sievert. Diesen Wert haben wir bis hierhin zu keinem Zeitpunkt überschritten. Fliegt man mit dem Flugzeug ist man ab einer bestimmten Höhe einer permanenten Strahlung von 2-3 Mycro Sievert ausgesetzt. Zurück im Fahrzeug setzten wir unseren Weg nach Tschernobyl fort. Tschernobyl ist eine Stadt direkt neben dem Atomkraftwerk W.I. Lenin. Hier leben heute immer noch Menschen die im Werk arbeiten. In der Stadt angekommen, hielten wir für einige Minuten. Wir nutzten diese Chance, checkten zur Beruhigung kurz die Geigerzähler und verließen mit unseren Kameras das Auto um ein paar erste Aufnahmen in der Stadt zu machen. Hier findet sich neben einem Mahnmal, welches alle Dörfer auf Schildern zeigt die im Zuge der Katastrophe evakuiert worden sind, auch ein Bild an der Wand das imperialistisch zeigt wie stolz die damaligen Russen auf dieses Werk gewesen sind. Die trübe Herbststimmung die über der Stadt liegt und die Nähe zum Werk wirken unbehaglich.  

Wir steigen wieder ins Fahrzeug und fahren nun Richtung Prypijat. Unterwegs lag auf der rechten Seite das Werk wo zu der Zeit der neue Sarkophag gebaut wird. Die Geigerzähler zeigt leichte Ausschläge. Am Werk vorbei geht es nun auf einer Landstrasse Richtung Norden wo auf der linken und teilweise rechten Seite der rote Wald erscheint. Man sagt, dass die Farbe von der hohen Schwermetallbelastung kommt da der Wald direkt in der Wolke lag die beim Unglück nach Norden zog. Dieser Sachstand ist heute noch stark zu merken. Selbst im Auto schlug beim durchqueren des Waldes der Geigerzähler erstmalig hoch auf teilweise über 6 Mycro Sievert aus und piepte dauerhaft. Geigerzähler sind erträglich solange sie nicht 0,8 Mycro Sievert übersteigen. Dann hört man nur noch einen Dauerpiepton und sollte diesen Ort direkt verlassen. 

Vor uns lag nun das Ortseingangsschild von Prypijat. Nach einem kurzen Halt für ein Erinnerungsbild fahren wir jetzt direkt in die Stadt und durch die letzte Sperre.

Auffallend ist, dass die Natur hier nicht wie erwartet ebenfalls Tod ist sondern bereits ganze Arbeit geleistet hat. Die Stadt ist komplett eingewachsen von hohen Bäumen und Sträuchern. Nichts lässt erkennen, dass hier einmal 50000 Menschen gewohnt haben und auf Strassen gefahren und auf Bürgersteigen gelaufen sind. Davon ist nichts mehr zu erkennen. Alles wirkt surreal.

Während der Besichtigung hört man nichts außer ab und an mal einen Raben und das Singen der alten Stromleitungen wenn der Wind sie zum Klingen  bringt. Zurückgelassene Gegenstände ehemaliger Einwohner sowie die allgemeine Stimmung, passend zur Vergangenheit, geben dem Besucher permanent ein unbehagliches Gefühl auf seiner Reise durch die Vergangenheit. Unter Führung lassen sich bestimmte Gebäude wie Kindergarten, Krankhaus, Universität und die Wohnblöcke besuchen. Sie geben einen Eindruck wie die Stadt damals ausgesehen haben muss. Beim Durchlaufen der Häuser bemerkt man immer wieder, dass hier Menschen auch nach dem Unfall noch versucht haben ihr Hab und Gut zu sichern. Diese teilweise stark verstrahlten Gegenstände stehen nun irgendwo in der Ukraine und sonst wo in der Welt in einem Haus. In den Wohnblöcken kann sich ein Bild davon machen wie plötzlich die Menschen die Stadt verlassen mussten. Der panische Aufbruch ist gerade in den Fluren noch stark zu sehen.

Sehr beeindruckend war die Universität mit der Musikhalle und dem Schwimmbad sowie die Kirmes die noch so aufgebaut da steht wie sie damals zurückgelassen worden ist. Nur der Zahn der Zeit hat deutliche Spuren hinterlassen. 

Eine solche Reise zeigt einem auf eine sehr harte Art und Weise, welche Risiken die Energiegewinnung aus Atomkraft mit sich bringen kann.

Impressionen aus Kiew

Nach dem Trip in die Zone verbrachten wir den Abend in einem Pub und tranken mit jungen Ukrainern eine Runde Bier und sangen gemeinsam patriotische Lieder :-)

Da Kiew eine Menge zu bieten hat, haben wir uns entschlossen einen weiteren Tag in Kiew zu verbringen und in Bildern festzuhalten.

 

Neben dem Maidan und der beeindruckenden UBahn wirken viele Gebäude in Kiew Kolossal. Die Bauweise und die Bauform der Gebäude erinnern stark an eine futuristische Stadt aus Warhammer 40000.  

Die prachtvollen Klöster und die teilweise heruntergekommenen Wohngebäude mischen das Bild zu etwas surrealen. Dennoch ist Kiew auf jeden Fall eine Reise Wert. Sehr fotogen gefüllt mit sehr freundlichen Menschen.

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